Interview mit Jens Knispel

Aus “http://hobbymap.de/hobbys/sport/kampfsport/mma/jens-knispel-mma-schlaegertypen-sind-im-mma-ausdruecklich-nicht-gewuenscht”

“Schlägertypen sind im MMA ausdrücklich nicht gewünscht.”

Wie ist Ihr Interesse für Kampfsport entstanden und wie hat sich daraus Ihre Leidenschaft zum MMA entwickelt?

Ich hatte schon immer ein Faible für Kampfsportarten im Allgemeinen. In meinen Augen stellten jedoch die restriktiven Regeln der jeweiligen Kampfsportart eine künstliche Begrenzung des sportlichen Wettkampfes dar, Boxen war eben Boxen und Ringen wiederum bloß Ringen. Ich wollte einfach alles anwenden können, zum Beispiel wollte ich Ringen dürfen, wenn ich beim Boxen gegen den jeweiligen Gegner nicht bestehen konnte. Diesen Rahmen bietet mir der Sport MMA.

Warum gerade MMA? Was macht für Sie den Reiz und die Faszination dieses Sports aus?

Für mich besteht der Reiz von MMA (Mixed Martial Arts) in der extremen Komplexität des Sports. Da der Kampf sowohl im Stand als auch auf dem Boden geführt wird, muss man viele verschiedene Kampfsport-Disziplinen, z.B. Judo, Ringen, Luta Livre, BJJ, Boxen, Kickboxen und Muay Thai, beherrschen, um im MMA erfolgreich sein zu können. Klare Regeln schützen hierbei den Kämpfer, bestimmte Techniken sind im Sinne der Minimierung des Verletzungsrisikos verboten. Des Weiteren kann man jederzeit durch Abklopfen signalisieren, dass man aufgeben möchte, was keine Schande ist. Was mir außerdem besonders gefällt, ist, dass der Umgang der Trainingspartner im Training mitunter hart, aber doch ehrlich und respektvoll ausfällt. Alle arbeiten gemeinsam – nicht gegeneinander – auf das Ziel hin, sich persönlich zu verbessern, oft nicht nur in sportlicher, sondern auch in charakterlicher Ebene, so lernt man, Verantwortung für sich und den anderen zu übernehmen und sich eigene Schwächen einzugestehen.

Mit welchen Grundlagen und mit welcher Einstellung sollte man mit dem MMA beginnen, was erachten Sie hier für wichtig?

Grundsätzlich ist das Training so aufgebaut, dass jeder gesunde Mensch selbst ohne kampfsportlerische Vorerfahrung teilnehmen kann, da das Einüben von Basistechniken (z.B. das Erlernen eines Schlags aus dem Boxen oder einem Wurf aus dem Judo) einen großen Teil des MMA-Trainings ausmacht. Das Training ist von der körperlichen Anstrengung her recht anspruchsvoll, weswegen eine gewisse Grundkondition sicherlich hilfreich ist. In der Regel gewöhnen sich die Teilnehmer aber schnell an die Anforderungen und können nach einiger Zeit problemlos mithalten.
Eine falsche Einstellung hat diejenige Personengruppe, die sich „für die Straße fit machen“ will. Schlägertypen sind im MMA ausdrücklich nicht gewünscht, denn es geht nicht um Gewaltausübung, sondern um den sportlichen Wettkampf. Wichtig ist eigentlich nur die Motivation, sich mit der Materie des MMA auseinander zu setzen, Spaß an körperlicher Bewegung zu haben und den Trainingspartner zu respektieren.

Was sind so „typische Anfängerfehler“ und worauf sollte man achten um sich selbst und seinen Trainingspartner nicht zu verletzen?

Ein typischer Anfängerfehler ist zum Beispiel, dass versucht wird, den Mangel an sauberer Technik mit purer Kraft auszugleichen. Indem man als Trainer jedoch den Missstand gezielt anspricht und einen großen Wert darauf legt, eine solide Grundlage an Techniken zu schaffen, kann dem vorgebeugt werden.
Für den Schutz des Kämpfers existieren 31 verbotene Aktionen, die in keinem Fall angewandt werden dürfen, etwa in die Augen stechen oder ruckartige Genickhebel ausführen. Das Einhalten dieser Regeln ist Voraussetzung für das Training und den sportlichen Wettkampf.
Neben dem Einhalten der Regeln muss jeder MMA-Trainierende in der Lage sein, in jeder möglichen Situation abzuklopfen, d.h. seine Aufgabe zu signalisieren, etwa wenn er sich nicht mehr aus einem Würger befreien kann. Der Trainingspartner wiederum ist geschult darin, diese Signale wahrzunehmen und den Kampf unmittelbar zu beenden. Meiner persönlichen Erfahrung nach klappt dies hervorragend und Statistiken zeigen, dass MMA eine weitaus geringere Verletzungsgefahr birgt, als etwa Fußball.
Wichtig ist in jedem Fall, den Sport unter professioneller Anleitung zu erlernen.

Muss man für MMA ein guter Sportler sein oder eignet sich MMA auch für unsportliche/schwache Personen die nach etwas suchen, um sich im Falle einer Gefahrensituation im Alltag schnell und effektiv verteidigen zu können?

MMA ist ein fairer Sport mit klar definierten Regeln. Eine Selbstverteidigungssituation hingegen zeichnet sich dadurch aus, dass sie regellos und unfair ist. Es gibt kein „Stop“, man steht eventuell mehreren Aggressoren gegenüber und es ist möglich, dass eine Waffe, z.B. ein Messer, im Spiel ist. Auf Grund dieses Unterschiedes empfiehlt sich für diejenigen, die sich im Alltag in einer Gefahrensituation behaupten wollen, das Erlernen eines spezialisierten Selbstverteidigungssystems wie Krav Maga. Der Sport MMA könnte hier allenfalls in Sachen Kondition und körpermotorischer Basisentwicklung hilfreich sein.

MMA erlebt gerade einen großen Boom. Was wünschen Sie sich abschließend für die weitere Entwicklung dieses Sports in Deutschland und welche persönlichen Ziele wollen Sie mit dem MMA noch erreichen?

So positiv der Zusammenhalt der MMA-Sportler in Deutschland ist, so negativ fällt die Präsentation des MMA durch die Medien aus. Leider findet aus Sensationslust und der Gier nach „Reizbildern“ heraus eine realitätsverzerrende Darstellung des Sports dar. Politiker gehen auf Stimmenfang, indem sie durch das Anstreben von Verbotsanträgen oder ähnlichem vermitteln, dass sie gegen „Gewalt“ sind. Ich finde, dass der ehrliche Sport MMA auch einen ehrlichen Umgang mit ihm verdient hat und würde mir deswegen für die Zukunft wünschen, dass die Medien und die Politik sich ernsthaft mit der Materie auseinander setzen und die Seele des MMAs erkennen, nämlich den fairen und sportlichen Wettkampf. Ich freue mich über jede Person, die sich auf den Sport MMA eingelassen hat und sich davon hat begeistern lassen beziehungsweise sich eine echte Meinung gebildet hat. Wir sind jederzeit offen für neue Mitglieder.
Ich für meinen Teil möchte einerseits meine persönlichen Leistungsgrenzen immer wieder neu erkunden, mit Hilfe meines Trainers weiter dazulernen und das bestmögliche Optimum meiner Fähigkeiten erreichen. Andererseits liegt es mir am Herzen, anderen Menschen das MMA näher zu bringen, eventuelle Ängste abzubauen und den Sport so weit wie möglich zu etablieren.

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